Sicherheitslücke bei 4sellers

Sicherheitslücke bei 4sellers

Vor kurzem wurden Details über eine Sicherheitslücke bei 4sellers, einer E-Commerce-Software für Online-Händler bekannt. Die Sicherheitslücke bestand über einen Zeitraum von über zwei Jahren.

4sellers ist ein ERP-System welches Omni-Channel und Lagerlogistik in einem Programm vereint. Kunden von 4sellers sind unter anderem Harlander, Hame und auch Moebelplus. Damit sind vor allem mittelständische Unternehmen betroffen.

Sicherheitslücke bestand über zwei Jahre

Berichten zufolge bestand die Sicherheitslücke bei 4sellers bereits zwei Jahre lang. Durch diese Lücke war es anderen möglich auf die ERP-Datenbanken der Kunden zuzugreifen. Laut 4sellers war hier wohl nur ein Händler betroffen. 4sellers wusste nach Berichten allerdings schon seit Ende 2019 von dieser Sicherheitslücke. Eine Information an die Händler und auch Endkunden ist nicht erfolgt. Bei den Daten handelte es sich um Rechnungen, API-Schlüssel, Lieferantendaten, Artikeldaten und auch Einkaufspreise. Einsehbar sollten diese über einen FTP-Server gewesen sein. Auch Telefonnummer und Zahlungsdaten waren wohl offen zugänglich. Wenn man bedenkt, dass eine Händlerdatenbank Millionen von Datensätzen enthält, sind hier möglicherweise eine ganze Menge an Informationen abgeflossen.

Reaktion von 4sellers

Das Sicherheitsleck wurde laut 4sellers durch ein Passwort geschlossen. 4sellers teilte weiter mit, dass die Zugriffsmöglichkeit über den betroffenen FTP Server nach Kenntnis der Sicherheitslücke Ende 2019 sofort geschlossen wurde. Die Daten auf dem Server wurden passwortgeschützt und verschlüsselt. Nach einer Prüfung der Logfiles durch den E-Commerce-Anbieter, konnten diese keine unberechtigten Zugriffe feststellen. Eine Meldung nach Art. 33 DSGVO zur Meldung von Verletzungen des Schutzes personenbezogener Daten an die Aufsichtsbehörde sei deshalb nicht erfolgt. Dies obwohl scheinbar Hinweise eines Händlers existieren, dass dessen Daten einsehbar waren. Mit diesem Händler steht 4sellers wohl in Kontakt.

E-Commerce-Software mit Sicherheitslücken

4seller ist aber nicht die einzige E-Commerce-Software mit einer Sicherheitslücke. Vor nicht allzu langer Zeit gab es auch bei Shopify ein Datenleck. Hierbei wurden Daten von Kunden einzelner Händler abgerufen. Dabei ging es um Namen, E-Mail-Adressen und Anschriften. Auch das Einkaufsverhalten, also der Kauf von Dienstleistungen und Produkte konnte eingesehen werden. Zahlungsdaten sollen durch Unberechtigte nicht einsehbar gewesen sein. In einem solchen Fall müsste unter Umständen neben der Meldung der Datenpanne gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde für Datenschutz nach Art. 33 DSGVO auch noch eine Meldung nach Art. 34 DSGVO Benachrichtigung der von einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten betroffenen Person erfolgen, sofern voraussichtlich hohes Risiko besteht.

Sicherheitslücken vermeiden

Ein Datenschutzmanagement System (DSMS) kann zwar in Ihrem Unternehmen Sicherheitslücken nicht zu 100% vermeiden, aber zumindest dazu beitragen und den Umgang in solchen Ausnahmesituationen professionell planen.

Die Ursache vieler Sicherheitslücken geht auf ungepatchte Systeme zurück. Das ist sogar ziemlich häufig der Fall. Aus diesem Grund hat das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) eine Checkliste für das Patch Management im Alltag (Checkliste nach Art. 32 DS-GVO) veröffentlicht. Ob die Sicherheitslücke bei 4sellers damit hätte vermieden werden können ist unklar.